Sandsundvær

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Sandsundvær:

Sandsundvær ist der Name einer nur spärlich bewohnten Inselgruppe, der norwegischen Atlantikküste vorgelagert. Sie gehört zur Kommune Herøy (Provinz Nordland). Sandsundvær war der Schauplatz einer wetterbedingten Tragödie:

Am 22. Januar 1901 zieht ein heftiger Winterorkan über das Nordmeer hinweg, er verursacht hauptsächlich an Norwegens Westküste schwere Schäden. Dabei werden vor allem die der mittelnordnorwegischen Küste vorgelagerten Inselchen in der Provinz Nordland schwer getroffen. Durch den gigantischen Wellengang, der Sturmflut und dem Hochwasser werden gegen Mittag mindestens 34 Menschen (die sich meist zum Fischfang dort aufhalten) von den teils nur wenige Meter hohen Felseneilanden in den Tod gerissen. (Siehe auch hier.)

Die folgende Abbildung zeigt die Wetterlage über Nordeuropa am 22.1.1901, zum Höhepunkt des Sturmes um 13 GMT:

Wetterlage Europa 22.1.1901, 13 GMT (Ausschnitt)
Wetterlage Europa 22.1.1901, 13 GMT (Ausschnitt aus Nordhemisphärenkarte) – Credit: NOAA Central Library Data Imaging Project

(Text, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
(Karte: NOAA Central Library Data Imaging Project)
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Shelf Cloud

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Shelf Cloud:

Sie erscheint als langgestreckte, dunkle und oft drohende Wolkenwalze unterhalb von Cumulonimbus (Cb) oder (selten) Cumulus. Die Shelf Cloud befindet sich meist an der in Zugrichtung vorderen unteren Begrenzung des Cb bzw. Cu.

Die Shelf Cloud gehört zur Sonderform Arcus, sie ist dabei mit der Unterseite des Cb bzw. Cu verbunden. Bei der zweiten Form von “Arcus”, der Roll Cloud, hat sich die Wolkenwalze von der Mutterwolke gelöst und erscheint dann als eigenständiger, rollenähnlicher Wolkenwulst.

Shelf Clouds entstehen oft bei Gewittern und Schauern unterhalb der Mutterwolke (meist Cumulonimbus), sie bezeichnen häufig den Vorderrand der sich unter dem Cb ausbreitenden Gewitterkaltluft (siehe Bild 4/5). Daher sind Shelf Clouds oft mit starken Böen verbunden (aber nicht immer). Die Shelf Cloud kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Schwächer entwickelte Shelf Clouds erscheinen in sich unstrukturierter (Bild 3/5), stärker entwickelte Shelf Clouds (1/5 bzw. 2/5) erscheinen insgesamt schärfer abgegrenzt. Shelf Clouds entwickeln sich mitunter aber auch an (Kalt-)Fronten, zuweilen ohne Gewitter (Bild 5/5).

Der vordere Außenrand einer Shelf Cloud erscheint mitunter glatt und lenticularis-ähnlich begrenzt, bisweilen gestuft (daher der Name). Dies zeigt das erzwungene Aufsteigen der warmen Luft auf der Vorderseite der Wolke an (siehe Bild 1/5). Die Unter- und Rückseite der Shelf Cloud erscheint hingegen oft zerrissen und cumulus-ähnlich durchsetzt. Dies zeigt das turbulente Hereinbrechen der tieferliegenden (Gewitter-)Kaltluft an (siehe Bild 4/5 und 5/5).

Mit dem Auftauchen einer Shelf Cloud ist ein unmittelbar bevorstehender Wetterumschwung verbunden, zumeist in Form von (kräftigen) Schauern und Gewittern, nicht selten mit starken Windböen. Daher wird hierfür auch oft die Bezeichnung “Böenwalze” verwendet. Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hier die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

(Text und Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Roll Cloud

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Roll Cloud:

Dies ist eine langgestreckter, rollenähnlicher Wolkenwulst, die Länge dieser Wolke ist sehr viel größer als ihre Höhe. Meist entsteht eine Roll Cloud, indem sich Arcus vollständig von der Mutterwolke (in der Regel Cumulonimbus (Cb)) abgelöst hat. Solange Arcus noch mit der Mutterwolke verbunden ist, wird er als Shelf Cloud bezeichnet.

Roll Clouds entstehen überwiegend bei Gewittern unterhalb des Cumulonimbus, sie bezeichnen häufig den Vorderrand der sich unter dem Cb ausbreitenden Gewitterkaltluft. Daher sind Roll Clouds oft mit starken Böen verbunden (aber nicht immer). Da Roll Clouds keine Verbindung (mehr) zur Mutterwolke besitzen, kann die Zugrichtung der Roll Cloud ganz erheblich von der der Mutterwolke abweichen und sogar gegenläufig sein. Mitunter scheint die Wolke bei ihrer Verlagerung um eine horizontale Achse zu “rotieren”.

Eine Roll Cloud unter einem Cumulonimbus zeigt oft ein älteres Gewitter an, was sich nicht selten bereits in Auflösung befinden kann (siehe Bildfolge). Die kalte Luft des Gewitterabwinds hat dann oft die Unterseite des Gewitters vollständig erfasst und behindert weiteren Aufwind und damit Wolkenentwicklung.

Die Roll Cloud befindet sich oft in nur geringer Höhe über dem Erdboden, so dass hohe Bauten (z.B. Türme oder Windräder) mitunter von der Wolke erfasst werden (siehe Bildfolge Roll Cloud 4/4 rechts unten).

Roll Clouds können schließlich mitunter auch ohne Einfluss von Gewittern entstehen durch konvergente Luftströmungen (Morning Glory in Australien).

(Text und Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Sonderformen

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Sonderformen:

Als Sonderformen bezeichnet man in der Wolkenklassifikation besondere Erscheinungen, die im Zusammenhang mit einigen Wolken auftreten können. Es handelt sich dabei um sichtbare, auffallende Erscheinungen an den jeweiligen Wolken bzw. nahe der jeweiligen Wolken, wobei es sich jedoch nicht um eigenständige neue Wolkenbildungen handelt. Daher wird auf die Bezeichnung “Sonderform” zurückgegriffen.

Hierzu zählen Niederschlagsfallstreifen (Virga, Praecipitatio), hängende Quellformen an Wolken (Mamma), Wolkenwalzen (Arcus), die Ambossform eines Cumulonimbus capillatus (Incus), Trombenerscheinungen (Tuba) sowie – neu seit 2017 – chaotische Wellenformen an der Unterseite einer Wolkenschicht (Asperitas), kreisförmige bzw. langgestreckte Löcher mit Virgafahnen in Schichtwolken (Cavum), wellenähnliche Formen auf der Oberseite von Wolken (Fluctus), sowie murus und cauda (Einträge in Kürze).

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Pannus (pan)

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Pannus (pan):

(von lat. pannus = Stück, Fetzen, Lumpen)

Bei Pannus handelt es sich um zerfetzte Wolkenteile, die bei ausgesprochenem Schlechtwetter als Begleitwolken unterhalb von Altostratus (Altostratus pannus) und Nimbostratus, aber auch bei Schauerniederschlag unterhalb von Cumulus und Cumulonimbus auftreten können.

Pannus besteht aus gleichzeitig vorkommenden Fetzen von Stratus bzw. Cumulus, die häufig sehr rasch ihre Gestalt ändern und oft so zahlreich auftreten, dass sie eine geschlossene Wolkenschicht unter As, Ns, Cu oder Cb bilden. Vor allem bei Dauerniederschlag aus Nimbostratus ist das der Fall (frühere Bezeichnung: Fractonimbus). Das ist auch der Hauptgrund, weshalb Nimbostratus recht selten in ungestörter Form vom Erdboden aus zu sehen ist (siehe: Nimbostratus erkennen). Bei Schauerniederschlägen unterhalb von Cu bzw. Cb sind die Pannus-Wolken selten so dicht wie bei Ns. Sie treten aufgrund der Niederschlagsabkühlung meist zum Ende des Schauers hin auf (frühere Bezeichnung: Fractostratus).

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Pileus (pil)

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Pileus (pil):

(lat. von pileus = Kappe, Mütze)

Diese Begleitwolke gibt es hauptsächlich bei Cumulus und Cumulonimbus und damit bei den Wolken mit großer vertikaler Erstreckung. (Ganz vereinzelt entsteht Pileus aber auch über ausgeprägten Castellanus-Formen.)

Es handelt sich dabei um Begleitwolken in Form von kleinen Kappen oder Hauben. In der Regel befindet sich Pileus über dem oberen Teil einer Quellung von Cu bzw. Cb oder über dem Gipfel von Cu bzw. Cb. Pileus hält sich meist nur kurze Zeit (wenige Minuten) und wird von den Quellungen von Cu und Cb oft durchstoßen. In manchen Fällen können sich mehrere Pileus-Wolken übereinander entwickeln. Ähnliche Begleitwolken von größerer horizontaler Ausdehnung werden als “Velum” bezeichnet.

Die Entwicklung von Pileus ist Zeichen einer erhöhten Wolkenaktivität in vertikaler Richtung und oft (nicht immer) Anzeichen für kommende Wetterverschlechterung, häufig in Form von Schauer- bzw. Gewitterlagen.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Praecipitatio (pra)

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Praecipitatio (pra):

(lat. praecipitatio = Herabstürzen)

Diese Sonderform kommt bei den Wolkengattungen vor, bei denen Niederschlag aus den Wolken ausfallen kann, und zwar bei Altostratus, Nimbostratus, Cumulus, Cumulonimbus und bisweilen auch bei Stratocumulus und Stratus. (Vorherige, heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung: Praecipitans.)

Wichtig ist, dass bei “Praecipitatio” dieser Niederschlag den Erdboden erreicht. Das ist in Form von mitunter sehr ausgeprägten Fallstreifen zu sehen, die unterhalb der Wolke als Niederschlagsstreifen senkrecht oder schräg herabhängen und den Boden erreichen.

Niederschlag, der den Boden nicht erreicht, aber gleichzeitig als Fallstreifen unterhalb einer Wolke zu sehen ist, wird als “Virga” klassifiziert.

Das unterschiedliche Aussehen von Praecipitatio kann Auskunft geben über das unmittelbar zu erwartende Wetter. Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hier die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Polarbanden

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Polarbanden:

Ältere, bisweilen noch gebräuchliche Bezeichnung für Cirrus radiatus, vor allem in der Seeschifffahrt. Die Wolkenstreifen des Ci rad scheinen dabei perspektivisch am Horizont zusammenzulaufen (dem Radiationspunkt).

Ci rad bekam diesen Eigennamen aufgrund seiner Bedeutung für die (See-)Wettervorhersage. Denn das Erscheinen von Ci rad hatte in der Regel baldige Wetterverschlechterung zur Folge, oft schneller, als dies nach dem Erscheinen anderer Cirrusformen der Fall war.
Der Grund: Auf der Vorderseite junger, schneller und entwicklungsfähiger Störungen erfolgt die Wolkenanordnung im Bereich der stärksten Höhenwinde oft symmetrischer als bei älteren und langsamer ziehenden Störungen, die den Bereich der stärksten Höhenwinde verlassen haben.

Aufgrund dieser engen Beziehung von Cirrus radiatus zu sich näherndem Schlechtwetter sowie aufgrund der Tatsache, dass diese Cirrusstreifen oft in nördlicher Richtung ausgerichtet sind, entstand die Bezeichnung “Polarbanden”.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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