Wetter: Gedanken zum Sommer 2019

August 2019: Ein neuer Gastkommentar erscheint in der “Fuldaer Zeitung” –

Dr. Martin Gudd mit einigen Überlegungen über den Fortgang des bisherigen – doch sehr warmen – Sommers 2019, über mögliche Konstellationen und darüber, dass 28 statt 38 Grad Celsius doch eher als normal zu bezeichnen sind.

Den gesamten Beitrag (im pdf-Format) lesen Sie hier.

(Mit herzlichem Dank an die Fuldaer Zeitung für die Erlaubnis zur Wiederveröffentlichung.)

Foto: Nicole Mattinger

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April 2019: Wieder ein sehr warmer Monat!

Der April 2019 war erneut ein deutlich zu warmer Monat! Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war er deutschlandweit bereits der 13. zu warme Monat in Folge, was es so in dieser Form seit Beginn der regelmäßigen Wetterbeobachtungen (seit 1881) noch niemals gab.

In Hessen war er zwar nicht ganz so warm wie sein Vorgänger 2018, da es mittendrin zwei kühlere Phasen gab. Doch mit hessenweit sechs(!) Sommertagen (= Tagen mit einer Höchsttemperatur von mindestens 25,0°C) erreicht der April 2019 genauso viele sommerlich warme Tage wie im Vorjahr, er fügt sich nahtlos in das viel zu warme Geschehen der letzten Jahrzehnte ein.

Sommertage Hessen - April (1958-2019)

Die Abbildung zeigt die Entwicklung der Sommertage in Hessen für den Zeitraum 1958 bis 2019 (basierend auf den Datengrundlagen u.a. des Deutschen Wetterdienstes).

Die Tendenz ist eindeutig: Es gibt im April immer mehr Sommertage! – Gab es solche warmen Tage im vorangegangenen 20. Jahrhundert im April nur unregelmäßig und oft auch überhaupt nicht, so änderte sich dies mit dem Beginn der 90er Jahre deutlich. Insbesondere das derzeitige 2. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts zeigt mittlerweile fast jährlich eine stattliche Anzahl von Sommertagen in Hessen.

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Der Frühling kommt immer früher!

Mitte Februar – und mit Temperaturen von örtlich bis zu 20 Grad machte sich der Frühling in diesem Jahr in Deutschland außerordentlich früh bemerkbar. An mehreren Tagen hintereinander wurden ungewöhnlich milde Höchstwerte von über 15 Grad gemessen, wobei die Natur in einigen Regionen förmlich explodierte.

Es gab zwar schon immer in den Wintermonaten einzelne Tage mit mehr als 15°C, doch eine ganze Reihe von solchen Tagen hintereinander scheint ungewöhnlich. Um den “Frühlingseinbruch” von 2019 näher einzuordnen, wurden alle Frühlingsvorstöße der letzten 50 Jahre für das Bundesland Hessen ausgewertet.

Als Frühlingsvorstoß werden dabei alle Phasen angesehen, zu denen es mindestens drei Tage hintereinander in Hessen 15,0°C oder mehr gab (basierend u.a. auf den Datengrundlagen des Deutschen Wetterdienstes). Ausgewertet wurde der jeweilige Beginn dieser Phase, gezählt in Tagen ab dem 1. Januar:

Der Beginn der 15-Grad-Phase in Hessen im Jahre 2019 (15. Februar) ist einer der frühesten der letzten 50 Jahre. Nur die vier vollkommen ungewöhnlichen Frühlingsvorstöße um die Jahrtausendwende (1998 bzw. 2002 bis 2004) erfolgten noch früher, alle in den ersten Februartagen. Sonst wird der Beginn einer mindestens dreitägigen 15-Grad-Phase normalerweise erst Mitte März registriert.

Der Trend über den gesamten Zeitraum ist eindeutig: Die Frühlingsvorstöße kommen immer früher nach Hessen! Aktuell dürfen wir standardmäßig bereits in den ersten Märztagen damit rechnen.

Auffallend ist aber auch ein sprunghaftes Früherwerden des 15-Grad-Frühlings ab 1989. Davor gab es ernstzunehmende Frühlingsvorstöße in Hessen meist erst Ende März / Anfang April, nicht selten auch noch deutlich später (z.B. 1970, 1983, 1984). Danach jedoch deutlich früher. Die fortschreitende Erwärmung zeigt sich bei dieser Betrachtung also nicht als linearer Prozess, sondern als regelrechte Klimaverwerfung (und tatsächlich traten die allermeisten Wärmeextreme in Hessen erst nach Ende der 80er Jahre auf).

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Wetter: Gedanken zum neuen Jahr 2019

Jahreswechsel 2018/2019: Ein neuer Gastkommentar erscheint in der “Fuldaer Zeitung” –

Dr. Martin Gudd mit pointierten Gedanken über das neue Wetterjahr 2019, drei goldenen Regeln, die Sie beherzigen dürfen – und darüber, welche Richtung das Wetter nach den extremen Monaten vielleicht einschlagen könnte.

Den gesamten Beitrag (im pdf-Format) lesen Sie hier.

(Mit herzlichem Dank an die Fuldaer Zeitung für die Erlaubnis zur Wiederveröffentlichung.)

Foto: Nicole Mattinger

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Wetter: Der Endlos-Sommer 2018 – eine Nachlese

Der Endlos-Sommer 2018 – mit Hitze von April bis Oktober. Wir werfen einen näheren Blick auf seine unglaublichen 114 Sommertage in Hessen.

Er war zwar nicht ganz so heiß wie 2003, doch in Sachen Sommertage stellt er alles bisher Dagewesene locker in den Schatten. Satte 114 Sommertage (Tage mit mindestens 25,0°C) gab es in Hessen zwischen Mitte April und Mitte Oktober. Damit hat 2018 den bisherigen Rekordhalter deutlich übertrumpft. Fast ein Drittel aller Tage im Jahr verliefen somit bislang sommerlich.

Nachfolgend gibt es im verlinkten pdf-Dokument (öffnet sich in neuem Fenster) nähere Erläuterungen zu den Sommertagen in Hessen, zunächst für das gesamte Jahr, anschließend jeweils für die einzelnen Monate. Berücksichtigt ist der Zeitraum zwischen 1958 und 2018. Datengrundlage sind Rohdaten des Deutschen Wetterdienstes sowie eigene Berechnungen.

Sommertage in Hessen (1958-2018)

Update 16.10.2018: Es ist doch noch der 115. Sommertag hinzugekommen. Der 16. Oktober brachte nachmittags in der Wetterau, am Rhein sowie in Südhessen örtlich 25°C.

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Fluctus (flu)

F

Fluctus (flu)

(lat. von fluctus = Welle, Woge, Strömung)

Diese Sonderform kommt als kurzlebige Erscheinung auf der Oberseite mancher Wolkengattungen vor. Dabei handelt es sich um bisweilen regelmäßig vorkommende wellen- oder wogenförmige bzw. sich kräuselnde Wolkenformationen, die stark an eine sich brechende Wasserwelle erinnern. Diese Formen finden sich bei Cirrus, Altocumulus, Stratocumulus, Stratus sowie Cumulus.

Solche Erscheinungen sind bislang auch als Kelvin-Helmholtz-Instabilität (bzw. Kelvin-Helmholtz-Wellen) bekannt. Ältere Bezeichnungen sind Helmholtz-Wogen bzw. helmholtzsche Wogen.

Die aus der Kelvin-Helmholtz-Instabilität resultierenden Wolkenformen wurden in der Wolkenklassifikation bislang nicht gesondert kategorisiert. Da ihr Aussehen jedoch sehr auffallend ist und sie nur unter bestimmten Bedingungen bei bestimmten Wolkengattungen (Ci, Ac, Sc, S, Cu) auftreten, werden sie seit Herausgabe des neuen Wolkenatlas der WMO (2017) als neue eigenständige Sonderform verwendet, und zwar mit der Bezeichnung Fluctus.

Die nächsten Abbildungen zeigen die Sonderform Fluctus an verschiedenen Wolkengattungen:

Cirrus fluctus (in der Regel Cirrus spissatus fluctus):

Cirrus fluctus
Cirrus fluctus

Altocumulus fluctus:

Altocumulus fluctus
Altocumulus fluctus

Stratocumulus fluctus:

Stratocumulus fluctus
Stratocumulus fluctus

Cumulus fluctus (in der Regel Cumulus humilis fluctus bzw. Cumulus mediocris fluctus):

Cumulus fluctus
Cumulus fluctus

Stratus fluctus, oft beobachtet an der Obergrenze von Nebelschwaden:

Stratus fluctus
Stratus fluctus

Fluctus entsteht im sogenannten Scherbereich zweier unterschiedlicher Luftschichten, die übereinander liegen und sich meist durch unterschiedliche Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Temperatur auszeichnen. Charakteristisch ist, dass diese Änderungen sprunghaft über einen kleinen Höhenbereich stattfinden, wie dies beispielsweise an einer Inversionsgrenze der Fall ist. Wenn dann die Scherströmung im Bereich der größten Windscherung instabil wird, können Teile der unteren, meist feuchteren Luftschicht vertikal nach oben gelangen und die Form brechender Wolkenwellen annehmen. Die Lebensdauer solcher Erscheinungen beträgt in der Regel nur wenige Minuten, an Cumuli mitunter nur wenige Sekunden.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Cirrocumulus castellanus

C

Cirrocumulus castellanus (Cc cas):

Diese CirrocumulusArt beschreibt den zinnenförmigen Cc. Bei dieser Form entwickeln sich aus einer Wolkenbank heraus kleine Türmchen vertikal nach oben. Dadurch entsteht – wie bei Castellanus typisch – der zinnen- bzw. zahnförmige Eindruck dieser Wolke. Castellanus kommt außer bei Cc auch noch bei Cirrus (Cirrus castellanus), Altocumulus (Altocumulus castellanus) und Stratocumulus (Stratocumulus castellanus) vor. Beim Cirrocumulus liegt die Breite der Wolkentürmchen typischerweise unter 1° (entspricht der Breite des kleinen Fingers, bei ausgestrecktem Arm).

Die kleinen Türmchen eines Cirrocumulus castellanus sehen normalerweise so aus:

Cirrocumulus castellanus
Cirrocumulus castellanus

Hinweis: Das oben gezeigte Bild wird auch im neuen, 2017 herausgegebenen Wolkenatlas von der WMO als offizielle Abbildung eines Cc castellanus verwendet. Die Türmchen finden sich klassisch ausgeprägt in der Bildmitte rechts. Da sie obendrein in Wellen angeordnet sind, handelt es sich hierbei um Cirrocumulus castellanus undulatus.

Im Detail sieht die Struktur eines Cirrocumulus castellanus so aus:

Cirrocumulus castellanus (Detail)
Cirrocumulus castellanus (Detail)

Man erkennt in der Bildmitte querliegend gut die aus einer gemeinsamen Wolkenbank nach oben hin ausgreifenden Türmchen und den dadurch verursachten Eindruck einer zinnen- bzw. zahnförmigen Wolkenreihe.

Cirrocumulus castellanus entsteht bei instabiler Schichtung in der hohen Troposphäre, normalerweise oberhalb von 7 km Höhe (im Winter kann Cc castellanus auch darunter auftreten).

Cirrocumulus castellanus kann bisweilen auch nur gering ausgeprägt erscheinen, so wie hier…

Cirrocumulus castellanus - schwach ausgeprägt
Cirrocumulus castellanus – schwach ausgeprägt

Häufig kann bei Auftreten eines Cc cas beobachtet werden, dass die gemeinsame, horizontal verlaufende Wolkenbank nicht in allen Bereichen des Cc-Feldes durchgehend entwickelt ist, sondern oft auch nur angedeutet ist bzw. ganz fehlt. Damit zeigt sich auch hier (wie auch bei Ac castellanus bzw. Sc castellanus) die enge Verbindung zwischen den Wolkenarten Castellanus und Floccus. In folgendem Bild ist dies recht gut zu erkennen:

Cirrocumulus castellanus und Cirrocumulus floccus
Cirrocumulus castellanus und Cirrocumulus floccus

Im linken Bildteil unten ist eine gemeinsame Wolkenbank vorhanden, aus der sich die Türmchen entwickeln. Dort handelt es sich um Cirrocumulus castellanus. Im rechten Bildteil sind die einzelnen (ballenförmigen) Wolkenelemente jedoch voneinander getrennt. Dort handelt es sich daher um Cirrocumulus floccus.

Cirrocumulus castellanus tritt oft auch mit anderen Cirren auf, und das durchaus in jeweils unterschiedlichen Höhenlagen:

Cirrocumulus castellanus und Cirrus in verschiedenen Höhenlagen
Cirrocumulus castellanus und Cirrus in verschiedenen Höhenlagen

Cirrocumulus castellanus kann unmittelbar als eigenständige Wolkenart entstehen, aber auch durch Umwandlung aus Cirrus bzw. Cirrostratus sowie bisweilen auch aus Altocumulus.

Sonderfälle

In manchen Fällen ist die eindeutige Zuordnung zu Cirrocumulus castellanus nur schwer zu treffen, insbesondere dann, wenn Cc cas gleichzeitig zusammen mit Cirrus castellanus auftritt:

Cirrus castellanus und Cirrocumulus castellanus
Cirrus castellanus und Cirrocumulus castellanus

Die Hauptwolkenbänke oben und unten im Bild sind als Cirrus castellanus zu klassifizieren, da es sich einmal nicht um cumuliforme Wolkenformen handelt (Wolkenbank unten), zum anderen ein Wolkenschatten zu erkennen ist (Wolkenbank oben), was bei Cc aber nie vorkommt. Nur die kleinen Wolkenbänke dazwischen können als Cirrocumulus castellanus (radiatus undulatus) angesehen werden, da hier der cumuliforme Anteil überwiegt, kein Wolkenschatten zu sehen ist und die Breite der Türmchen weniger als 1° beträgt…

Cirrus castellanus und Cirrocumulus castellanus - Detail
Cirrus castellanus und Cirrocumulus castellanus – Detail

Auch Kondensstreifen können sich nach längerer Zeit zu Cirrocumulus umwandeln und bei instabilen Verhältnissen in diesen Höhenlagen ebenfalls Castellanus-Form aufweisen. Dabei gibt es aber – ähnlich wie zuvor beschrieben – eine große Verwechslungsgefahr mit Cirrus castellanus:

Cirrocumulus castellanus (aus Kondensstreifen entstanden)
Cirrocumulus castellanus (aus Kondensstreifen entstanden)

Mit dem Erscheinen von Cirrocumulus castellanus kann in einigen Fällen eine Veränderung der lokalen Wetterverhältnisse erwartet werden. Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hierzu die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Cirrocumulus lacunosus

C

Cirrocumulus lacunosus (Cc la):

Diese CirrocumulusUnterart beschreibt jenen Cc, bei dem manchmal mehr oder weniger regelmäßig verteilt runde oder zerfranste Löcher vorkommen. Dadurch entsteht bei dem betreffenden Cirrocumulusfeld entweder der Eindruck einer Honigwabe (durch runde Löcher) oder der eines Netzes (durch zerfranste Löcher). Außer beim Cc tritt Lacunosus hauptsächlich noch bei Altocumulus und vereinzelt auch bei Stratocumulus auf.

Im direkten Vergleich ist bei Cc la die Wabenform mit runden Löchern viel häufiger als die Netzform mit zerfransten Löchern. Bei Altocumulus lacunosus bzw. Stratocumulus lacunosus dominiert hingegen die Netzform.

Wenn sich Cc lacunosus entwickelt, kommt dies hauptsächlich in den dünnen Schichten von Cirrocumulus stratiformis bzw. Cirrocumulus lenticularis vor. So sind in folgender Aufnahme einer kleinen, welligen Cc-Bank erste kleine Wolkenlöcher unten im Bild zu sehen:

Cirrocumulus stratiformis undulatus mit ersten Wolkenlöchern
Cirrocumulus stratiformis undulatus mit ersten Wolkenlöchern

Ein typischer Cirrocumulus stratiformis lacunosus sieht so aus:

Typischer Cirrocumulus stratiformis lacunosus
Typischer Cirrocumulus stratiformis lacunosus

Die Wabenform des Cirrocumulus lacunosus sieht im Detail so aus:

Cirrocumulus stratiformis lacunosus - Detail
Cirrocumulus stratiformis lacunosus – Detail
Cirrocumulus stratiformis lacunosus - Detail
Cirrocumulus stratiformis lacunosus – Detail

Den Charakter als Eiswolke sieht man im folgenden Bild eines Cirrocumulus stratiformis lacunosus sehr deutlich:

Cirrocumulus stratiformis lacunosus
Cirrocumulus stratiformis lacunosus

Normalerweise bleiben die in der Cc-Schicht entstandenen Löcher klein und behalten den Eindruck der Wabenform bei. Nur in seltenen Fällen schreitet die Entwicklung der Wolkenlöcher so weit voran, dass aus der Wabenform die Netzform entsteht…

Cirrocumulus lacunosus - Übergang von Wabenform in Netzform
Cirrocumulus lacunosus – Übergang von Wabenform in Netzform

…die im Detail wiederum so aussieht:

Cirrocumulus lacunosus (Netzform) - Detail
Cirrocumulus lacunosus (Netzform) – Detail

Cirrocumulus lacunosus kann auch in Verbindung mit weiteren Unterarten des Cc auftreten, so zum Beispiel mit Undulatus:

Cirrocumulus undulatus lacunosus
Cirrocumulus undulatus lacunosus

Hinweis: Das oben gezeigte Bild wird auch im neuen, 2017 herausgegebenen Wolkenatlas von der WMO als offizielle Abbildung eines Cirrocumulus mit den Unterarten Undulatus und Lacunosus verwendet.

Sonderfälle

In manchen Fällen ist die Zuordnung zu einem Cirrocumulus nur sehr schwer zu treffen.

So kommt es speziell im Winter vor, wenn die Tropopause sehr tief liegt, dass die Bildung von Cirrocumulus bereits im sonst mittelhohen Stockwerk stattfindet, also unterhalb von 7 km Höhe. In solchen Fällen zeigt die Wolkenschicht als solches durchaus Ähnlichkeiten mit einem Altocumulus, während die einzelnen Wolkenelemente doch eher dem Cirrocumulus zuzuordnen sind:

"Tiefer" Cirrocumulus lacunosus
“Tiefer” Cirrocumulus lacunosus

Zu Beginn der Umwandlung von Cirrus in Cirrocumulus ist der cumuliforme Charakter des Cc noch nicht ausgeprägt. Einzig das Vorhandensein der Wolkenlöcher, also der Unterart Lacunosus, deutet bereits auf ihn hin, so wie im folgenden Bild gezeigt (Bildmitte unten).

"Cirriformer" Cirrocumulus lacunosus
“Cirriformer” Cirrocumulus lacunosus

Mit dem Erscheinen von Cirrocumulus lacunosus kann in vielen Fällen eine Veränderung der lokalen Wetterverhältnisse erwartet werden. Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hierzu die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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Altocumulus cavum

A

Altocumulus cavum (Ac cav):

Diese AltocumulusSonderform beschreibt jene Ac, bei denen – in einigen Fällen – durch Eisbildung in der aus unterkühlten Wassertröpfchen bestehenden Wolkenschicht kreisrunde, elliptische oder langgestreckte Löcher entstehen. Dies ist normalerweise in Verbindung mit Altocumulus stratiformis translucidus der Fall. Die hier mit der Bezeichnung Altocumulus cavum beschriebenen Wolkenlöcher sind dabei in ihrer Erscheinungsform deutlich größer, singulär und damit auch auffallender als die unter Altocumulus lacunosus behandelten Wolkenlöcher.

Altocumulus cavum ist auch als Fallstreak hole bekannt (siehe auch eigener Eintrag hierzu). Die Synonyme hierfür sind: Hole punch Cloud, Punch hole Cloud, Skypunch, Hole Cloud, bei elliptischen und langgestreckten Löchern auch Canal Cloud oder Cloud Canal.

Ein Fallstreak hole wurde in der Wolkenklassifikation bislang nicht gesondert kategorisiert. Da sein Aussehen jedoch sehr auffallend ist und es nur unter bestimmten Bedingungen bei bestimmten Wolkengattungen (Ac, Cc, Sc) auftritt, wird es seit Herausgabe des neuen Wolkenatlas der WMO (2017) als neue eigenständige Sonderform in der Wolkenklassifikation aufgenommen, und zwar eben mit der Bezeichnung Cavum.

Altocumulus cavum (in der Regel Altocumulus stratiformis translucidus cavum) sieht in der kreisförmigen Ausprägung typischerweise so aus:

Typischer Altocumulus stratiformis translucidus cavum (Fallstreak hole)
Typischer Altocumulus stratiformis translucidus cavum (Fallstreak hole)
Typischer Altocumulus stratiformis translucidus cavum (Fallstreak hole)
Typischer Altocumulus stratiformis translucidus cavum (Fallstreak hole)

Auch in der elliptischen, langgestreckten Form kommt Altocumulus stratiformis translucidus cavum oft vor:

Altocumulus stratiformis translucidus cavum - langgestreckte Ausprägung
Altocumulus stratiformis translucidus cavum – langgestreckte Ausprägung

Die Altocumulus-Schicht besteht normalerweise zu ganz überwiegenden Teilen aus unterkühlten Wassertröpfchen. Setzt nun an einer Stelle in der Schicht Eisbildung ein (= Virga-Bildung), so wachsen hier die Eiskristalle auf Kosten der sie umgebenden Wassertröpfchen. Diese verschwinden, und so entsteht in der Wolkenschicht um die Fallstreifen herum ein Wolkenloch, das sich in seinem Durchmesser weiter vergrößert, da nach und nach immer mehr unterkühlte Wassertröpfchen um die Fallstreifen herum verschwinden.

Altocumulus cavum - Wolkenloch um die Fallstreifen herum
Altocumulus cavum – Wolkenloch um die Fallstreifen herum

In manchen Fällen lösen sich große Teile der ursprünglichen Wolkenschicht auf, und nur die Fallstreifen bleiben übrig. Die Fallstreifen verdriften bei vorangeschrittener Entwicklung eines Fallstreak holes häufig mit dem Höhenwind:

Altocumulus cavum - vorangeschrittene Entwicklung
Altocumulus cavum – vorangeschrittene Entwicklung

Als Ursache für eine die hier gezeigte Eisbildung innerhalb einer Wolkenschicht aus unterkühlten Wassertröpfchen können – zumindest zum Teil – Flugzeuge in Frage kommen, die oft während der Steig- oder Sinkvorgänge diese Wolken durchqueren. Dabei kommt es z.B. an den Tragflächen oder am Flugzeugrumpf zu kleinräumigen Druck- und damit zu Temperaturunterschieden, die ausreichen, um eine Eiskristall- und Fallstreifenbildung zu initiieren.

Besonders die elliptischen bzw. langgestreckten Fallstreak holes (als Canal Cloud bzw. Cloud Canal bezeichnet) verdeutlichen diesen Auslösevorgang sehr schön. Hier kommt es zu kontinuierlicher Eiskristallbildung durch das in Frage kommende Flugzeug:

Altocumulus cavum - Canal Cloud
Altocumulus cavum – Canal Cloud
Altocumulus cavum - Canal Cloud
Altocumulus cavum – Canal Cloud

Es dürften jedoch Zweifel daran bestehen, dass alleine Flugzeuge für die Entstehung von Altocumulus cavum verantwortlich sein sollen. Denn es gibt durchaus Fälle, bei denen Wolkenlöcher entstehen, ohne dass eine anthropogene Ursache in Betracht gezogen werden kann.

In folgender Bildreihe entwickeln sich am Rand eines heranziehenden Feldes aus Altocumulus stratiformis translucidus gleichzeitig mehrere Fallstreak holes nebeneinander (mindestens sechs, fünf davon erkennbar in der Bilderfolge). Ein Flugzeug als Entstehungsursache kann hier (aufgrund kontinuierlicher Beobachtung) ausgeschlossen werden:

Ac cavum - gleichzeitige Bildung mehrerer Fallstreak holes - natürliche Ursache?
Ac cavum – gleichzeitige Bildung mehrerer Fallstreak holes – natürliche Ursache?
Ac cavum - gleichzeitige Bildung mehrerer Fallstreak holes - natürliche Ursache?
Ac cavum – gleichzeitige Bildung mehrerer Fallstreak holes – natürliche Ursache?
Ac cavum - gleichzeitige Bildung mehrerer Fallstreak holes - natürliche Ursache?
Ac cavum – gleichzeitige Bildung mehrerer Fallstreak holes – natürliche Ursache?

Die eigentliche Erscheinung des Wolkenloches hat keine unmittelbare Aussagekraft für das kommende Wetter. Da Altocumulus cavum in der Regel jedoch in Verbindung mit Ac stratiformis translucidus auftritt, kann damit wiederum von einer Veränderung der lokalen Wetterverhältnisse ausgegangen werden. Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hierzu die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

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Cavum (cav)

C

Cavum (cav)

(lat. von cavum = Loch, Höhle)

Diese Sonderform kommt bei denjenigen Wolkengattungen vor, die schichtförmig auftreten, und bei denen es zu Virga-Erscheinungen kommen kann. Dabei handelt es sich um kreisrunde, elliptische oder langgestreckte Löcher in der Wolkendecke an der Stelle, wo die Virga-Bildung stattfindet. Dies ist ganz überwiegend bei Altocumulus der Fall, seltener bei Cirrocumulus und ganz selten bei Stratocumulus.

Solche Erscheinungen sind auch als Fallstreak hole bekannt (siehe auch eigener Eintrag hierzu). Die Synonyme hierfür sind: Hole punch Cloud, Punch hole Cloud, Skypunch, Hole Cloud, bei elliptischen und langgestreckten Löchern auch Canal Cloud oder Cloud Canal.

Ein Fallstreak hole wurde in der Wolkenklassifikation bislang nicht gesondert kategorisiert. Da sein Aussehen jedoch sehr auffallend ist und es nur unter bestimmten Bedingungen bei bestimmten Wolkengattungen (Ac, Cc, Sc) auftritt, wird es seit Herausgabe des neuen Wolkenatlas der WMO (2017) als neue eigenständige Sonderform verwendet, und zwar mit der Bezeichnung Cavum.

Die neuen Bezeichnungen heißen: Altocumulus cavum (Ac cav) sowie Cirrocumulus cavum (Cc cav) und Stratocumulus cavum (Sc cav).

Altocumulus cavum

Altocumulus cavum (Fallstreak hole)
Altocumulus cavum (Fallstreak hole)

Die Wolkenschicht (hier eben Altocumulus) besteht typischerweise zu ganz überwiegenden Teilen aus unterkühlten Wassertröpfchen. Setzt nun an einer Stelle in der Schicht Eisbildung ein (= Virga-Bildung), so wachsen hier die Eiskristalle auf Kosten der sie umgebenden Wassertröpfchen. Diese verschwinden, und so entsteht in der Wolkenschicht um die Fallstreifen herum ein Wolkenloch, das sich in seinem Durchmesser weiter vergrößert, da nach und nach immer mehr unterkühlte Wassertröpfchen um die Fallstreifen herum verschwinden. In manchen Fällen lösen sich große Teile der ursprünglichen Wolkenschicht auf, und nur die Fallstreifen bleiben übrig.

Cirrocumulus cavum

Bei Cirrocumulus tritt die Sonderform Cavum seltener auf, und nur dann, wenn der betrachtete Cc aus stark unterkühlten Wassertröpfchen besteht:

Cirrocumulus stratiformis cavum
Cirrocumulus stratiformis cavum

Ein weiteres Bild von Cirrocumulus cavum gibt es hier.

Stratocumulus cavum

Bei Stratocumulus ist die Sonderform Cavum nur in ganz seltenen Fällen zu beobachten, und zwar nur bei sehr tiefen Temperaturen.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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