Altostratus virga

A

Altostratus virga (As vir):

Diese AltostratusSonderform beschreibt jenen As, bei dem Niederschlag in Form von Eiskristallen und/oder Wassertröpfchen ausfällt. Dieser Niederschlag erreicht nicht den Erdboden. Er ist vielmehr in Form von Fallstreifen zu sehen, die unterhalb des As als Niederschlags“schleppen“ senkrecht oder schräg herabhängen (siehe auch Definition von Virga).

Altostratus translucidus virga

Beginnt Niederschlag aus einem Altostratus zu fallen, so zeigt die Unterseite der Wolkenschicht ein charakteristisch geriffeltes, netzartiges Aussehen. Hier ist dies im Anfangsstadium an einem dünnen Altostratus translucidus zu sehen:

Altostratus translucidus virga
Altostratus translucidus virga

In ausgeprägter Form sieht die Virga-Bildung unterhalb einer As-Schicht mitunter so aus:

Ausgeprägter Altostratus translucidus virga
Ausgeprägter Altostratus translucidus virga

Fallen genügend Eiskristalle und/oder Wassertröpfchen aus dem Altostratus, so entwickeln sich aus dem fallenden Niederschlag bisweilen unterhalb der As-Schicht Felder aus Altocumulus. In einigen Fällen entsteht hierbei eine weitere As-Schicht, wodurch Altostratus duplicatus klassifiziert werden kann.

Altostratus virga ist meist nur tagsüber zu erkennen, dann aber vor allem recht deutlich im Umfeld der (im As noch sichtbaren) Sonnenscheibe oder aber auch dann, wenn man den Altostratus schräg von unten betrachtet:

Altostratus translucidus virga - von schräg unten betrachtet
Altostratus translucidus virga – von schräg unten betrachtet

Besonders deutlich heben sich die Virga-Formen am Rande einer scharf begrenzten As-Schicht vor einem klaren Himmel im Hintergrund ab:

Altostratus translucidus virga vor hellem Hintergrund
Altostratus translucidus virga vor hellem Hintergrund

Virga tritt am Altostratus auch sehr häufig dann auf, wenn Schauer und Gewitter sich auflösen (siehe eigener Eintrag zu Altostratus cumulonimbogenitus). Das folgende Bild zeigt typische Niederschlagsschleppen unterhalb eines Altostratus translucidus cumulonimbogenitus:

Altostratus translucidus virga cumulonimbogenitus
Altostratus translucidus virga cumulonimbogenitus

Altostratus opacus virga

Auch der dichte Altostratus (Altostratus opacus) zeigt oft Virga-Erscheinungen. Wenn diese nur schwach ausgeprägt sind, ist es mitunter recht schwer, sie eindeutig zu identifizieren. Doch in der Regel entwickelt sich auch hier wieder das charakteristische netzartige Aussehen unterhalb der As-Schicht:

Altostratus opacus virga
Altostratus opacus virga

In der Regel ist Altostratus opacus virga auch dann deutlich zu sehen, wenn er von schräg unten beobachtet wird:

Altostratus opacus virga
Altostratus opacus virga
Altostratus opacus virga
Altostratus opacus virga

Ist As opacus virga besonders ausgeprägt, so führt diese Verdickung der Wolkenschicht aufgrund des fallenden Niederschlags nicht selten zu einer Umwandlung in Nimbostratus virga. Das folgende Bild zeigt einen solchen Übergang von As in Ns:

Altostratus opacus virga in Übergang zu Nimbostratus virga
Altostratus opacus virga in Übergang zu Nimbostratus virga

Altostratus virga kommt auch mit anderen Unterarten des Altostratus vor. Hier beispielhaft Wellenformen im Altostratus virga (siehe auch Altostratus undulatus):

Altostratus opacus undulatus virga
Altostratus opacus undulatus virga

Altostratus virga kann in Altostratus praecipitatio übergehen, und zwar dann, wenn der aus dem As fallende Niederschlag den Erdboden erreicht.

Bemerkenswert ist, dass die beiden Sonderformen Virga und Mamma oft gleichzeitig vorkommen. Der fallende Niederschlag bei Altostratus virga zeigt nach einiger Zeit seiner Entwicklung auch Mamma-ähnliche Formen auf, was darauf hinweist, dass Virga und Mamma in letzter Instanz doch miteinander verwandt sind (siehe auch Altostratus mamma):

Altostratus virga in Übergang zu Altostratus mamma
Altostratus virga in Übergang zu Altostratus mamma
Altostratus virga (rechts) und Altostratus mamma (links)
Altostratus virga (rechts) und Altostratus mamma (links)

Altostratus virga kann schließlich auch zu spektakulären Farbspielen Anlass geben, und zwar in der Regel dann, wenn die auf- bzw. untergehende Sonne den fallenden Niederschlag einer ab- bzw. heranziehenden As-Schicht beleuchtet:

Abendrot an Altostratus opacus virga
Abendrot an Altostratus opacus virga
Abendrot an Altostratus opacus virga
Abendrot an Altostratus opacus virga

Tritt eine solche Färbung morgens im Osten unterhalb eines aufziehenden As auf, so handelt es sich um das typische Schlechtwetter-Morgenrot. Niederschlag ist in Kürze zu erwarten.

Tritt eine solche Färbung dagegen – wie im vorliegenden Falle – abends im Westen unterhalb eines abziehenden As auf, so handelt es sich um Schönwetter-Abendrot. Es tritt im allgemeinen Wetterbesserung ein.

Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hierzu die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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