Altostratus cumulonimbogenitus

A

Altostratus cumulonimbogenitus (As cbgen):

Diese Altostratus-Entwicklung beschreibt jenen As, der sich aus einer anderen Wolkengattung weiterentwickelt hat. In diesem Fall erfolgt die Entstehung des As aus einem Cumulonimbus (Cb) bzw. aus einer Zusammenballung mehrerer Cumulonimben (= „cumulonimbogenitus“, siehe auch den Eintrag unter: Genitus (Zusatz)). Der Cumulonimbus ist hier als sogenannte Mutterwolke des Altostratus zu bezeichnen. Prinzipiell können bei der Entwicklung von As aus Cb alle As-Unterarten auftreten.

Altostratus cumulonimbogenitus tritt dann auf, wenn sich die oberen und mittleren Wolkenteile eines einzelnen Cumulonimbus bzw. eines Clusters aus mehreren Cumulonimben ausbreiten. Diese Ausbreitung kann sich durchaus weitflächig über viele hundert Kilometer vom Ursprungsort fort erstrecken. Daher ist ein As cbgen auf den ersten Blick nur manchmal sofort als solcher zu identifizieren. Hier hilft meist nur kontinuierliches Beobachten.

Altostratus cumulonimbogenitus vor Gewittern

Altostratus cumulonimbogenitus entsteht vor allem in der warmen Jahreszeit und in den Tropen häufig im Vorfeld großräumiger Gewitter, wie beispielsweise im Vorfeld von Gewitterfronten bzw. Gewitterclustern. Der As cbgen kann dabei durchaus schon einige Stunden vor Ausbruch des Gewitters beobachtet werden.

Da bei solchen Lagen die Wolkenbildung generell forciert wird, befinden sich meist weitere Wolkengattungen unterhalb des As cbgen. Häufig sind dies Altocumuli, die ihrerseits flocken- bzw. zinnenförmiges Aussehen aufweisen (Altocumulus floccus bzw. Altocumulus castellanus) und damit auf die Gewittergefahr hindeuten:

Vor einem Gewitter: As translucidus cumulonimbogenitus, darunter Ac floccus
Vor einem Gewitter: As translucidus cumulonimbogenitus, darunter Ac floccus

Häufig zeigt der sich aus dem Gewitterschirm ausbreitende As cbgen in solchen Fällen deutliche Strukturen, was auf die große Dynamik bei der Gewitterbildung zurückzuführen ist. Seine Unterseite erscheint somit “unruhiger” im Vergleich zu einem “normalen” Altostratus. In folgendem Bild zeigen sich neben streifen- auch mammaförmige Strukturen an der Unterseite des As (siehe auch Altostratus mamma):

Vor einem Gewitter: Altostratus translucidus mamma cumulonimbogenitus
Vor einem Gewitter: Altostratus translucidus mamma cumulonimbogenitus

Das gilt auch für die folgende Abbildung: Der As cbgen zeigt unterschiedliche Lichtdurchlässigkeit (siehe Altostratus opacus), eine deutliche Streifenform sowie deutliche Fallstreifen (siehe Altostratus virga) – und damit eine “unruhigere” Struktur als ein “normaler” Altostratus. Gleichzeitig werden die unter dem As befindlichen Altocumuli in Richtung des heranrückenden Gewitters (rechts unten) immer mächtiger.

Vor einem Gewitter: Altostratus opacus virga cumulonimbogenitus
Vor einem Gewitter: Altostratus opacus virga cumulonimbogenitus

Ein sehr charakteristisches Kennzeichen ist auch die Tatsache, dass der As cbgen nicht eine einförmige graue Farbe aufweist, sondern in Richtung des herannahenden Gewitters immer dunkler wird. Denn dort wird die heranrückende Wolkenmasse immer mächtiger (im Bild links unten):

Vor einem Gewitter: Altostratus opacus cumulonimbogenitus, von Hellgrau zu Dunkelgrau
Vor einem Gewitter: Altostratus opacus cumulonimbogenitus, von Hellgrau zu Dunkelgrau

As cbgen ist in diesen Fällen ein eindeutiger Hinweis auf unmittelbar bevorstehende Schauer- und Gewittertätigkeit.

Altostratus cumulonimbogenitus nach Gewittern

Altostratus cumulonimbogenitus entsteht häufig aber auch bei der Auflösung einzelner bzw. großräumiger Gewitter. Der As cbgen kann dabei durchaus noch viele Stunden nach Erlöschen des eigentlichen Gewitters beobachtet werden.

Die Ausbreitung der oberen und mittleren Partien eines Cumulonimbus kann dabei sowohl örtlich nur sehr begrenzt sein,…

Nach einem Gewitter: Sich ausbreitender Cb-Schirm, örtlich sehr begrenzt
Nach einem Gewitter: Sich ausbreitender Cb-Schirm, örtlich sehr begrenzt

…sie kann aber auch großräumig ausfallen, wie in dieser Abbildung am Beispiel eines zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 200 Km entfernten Gewitters gezeigt wird:

Nach einem Gewitter: Sich ausbreitender großer Gewitterschirm
Nach einem Gewitter: Sich ausbreitender großer Gewitterschirm

Die Entstehung von As cbgen findet nach einem Gewittertag oft in den Abendstunden statt, wobei der As cbgen häufig als eine undefinierbare graue Masse im mittleren Wolkenstockwerk erscheint. Man achte auf die Unterschiede zu einem As cbgen vor einem Gewitter! Die Unterseite des As cbgen besitzt nun deutlich weniger Strukturen, was auf eine deutlich verringerte Dynamik bei der Gewitterauflösung zurückzuführen ist:

Nach einem Gewitter: Typischer Altostratus cumulonimbogenitus - wenig Strukturen
Nach einem Gewitter: Typischer Altostratus cumulonimbogenitus – wenig Strukturen

Solange die Entwicklung von As cbgen örtlich begrenzt bleibt, ist die Wolkenklassifikation leicht durchzuführen, da der As häufig noch die Form des ehemaligen Wolkenschirms des Cb aufweist:

Nach einem Gewitter: Altostratus cumulonimbogenitus - örtlich sehr begrenzt
Nach einem Gewitter: Altostratus cumulonimbogenitus – örtlich sehr begrenzt
Nach einem Gewitter: Altostratus cumulonimbogenitus - örtlich sehr begrenzt
Nach einem Gewitter: Altostratus cumulonimbogenitus – örtlich sehr begrenzt

Auf der Unterseite eines solch örtlich begrenzten As cbgen entstehen bisweilen auch Mamma-Erscheinungen:

Altostratus mamma cumulonimbogenitus
Altostratus mamma cumulonimbogenitus

Wenn die Auflösung eines oder mehrer Gewitter jedoch weitflächig stattfindet, ist die Wolkenklassifikation auf den ersten Blick nicht so einfach durchzuführen, denn die Herkunft des entstandenen As ist nicht sofort ersichtlich. Hier hilft durchaus ein Blick auf das gesamte Himmelsbild. Große eingelagerte Cumuli und Fallstreifen zeigen häufig den Schwerpunkt des ehemaligen Gewitters an…

Nach einem Gewitter: Altostratus translucidus cumulonimbogenitus
Nach einem Gewitter: Altostratus translucidus cumulonimbogenitus

…auch unterhalb des As cbgen befindliche Altocumuli, die bei der Auflösung eines oder mehrerer Gewitter übriggeblieben sind (hier: Altocumulus castellanus), geben Aufschluss…

Nach einem Gewitter: Altostratus opacus cumulonimbogenitus, darunter Altocumulus castellanus
Nach einem Gewitter: Altostratus opacus cumulonimbogenitus, darunter Altocumulus castellanus

…ebenso wie Lücken in der As-Schicht. Denn diese zeichnen oft die ehemalige Struktur eines Gewitterschirms nach:

Nach einem Gewitter: Altostratus cumulonimbogenitus
Nach einem Gewitter: Altostratus cumulonimbogenitus

Wenn die tiefstehende Sonne abends die Unterseite des As cbgen beleuchtet, sind oft eigentümliche Farbspiele die Folge:

Nach einem Gewitter: Abendrot an Altostratus opacus cumulonimbogenitus
Nach einem Gewitter: Abendrot an Altostratus opacus cumulonimbogenitus

Dies kann als Morgenrot aber auch in den Frühstunden geschehen, denn bisweilen hält sich ein durch Gewitterauflösung abends und nachts entstandener Altostratus cumulonimbogenitus noch bis in den nächsten Tag hinein. Die Wolkenschicht kann dabei bisweilen einige Tausend Kilometer Wegstrecke zurücklegen.

Altostratus cumulonimbogenitus ist je nach Auftreten somit entweder ein Anzeiger unmittelbar bevorstehender Gewittertätigkeit oder ein Anzeiger sich abschwächender Gewittertätigkeit. Umfassende Informationen vermitteln Ihnen hierzu die Seminare/Vorträge „Die Wolken – lesen lernen…“ sowie „Der Himmel – Farben und Formen richtig interpretieren“.

(Text + Bild, alle Rechte: Dr. Martin Gudd)
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